Offener Projektwettbewerb, 2024 • Erweiterung des Freizeitzentrums Landauer in Riehen mit Jugendhaus, Büros, und Kindergarten • Holzbau, Kybernetische Fassade, Bestandserweiterung
MEHR INFOS

Das bestehende Freizeitzentrum positioniert sich sowohl städtebaulich als auch funktional logisch zwischen dem Bluttrainweg im Norden und dem grosszügigen Aussenraum im Süden. Somit erscheint es wie selbstverständlich das Gebäude an dieser Stelle zu erweitern, anstelle einer neuen Position auf der Parzelle zu suchen.
Das Ensemble aus Kindergarten, Jugenzentrum und Freizeitzentrum bildet einen schmalen Vorplatz zum Bluttrainweg aus, welcher alle drei Gebäude gemeinsam erschliesst und somit eine gemeinsame Adresse ausbildet. Die Velos werden bewusst seitlich am Bluttrainweg parkiert, damit auf dem Grundstück Schrittgeschwindigkeit herrscht.



Im Bestand ist die Dachschräge bis tief unter die Geschossdecke des ersten Obergeschosses gezogen und nahezu gänzlich geschlossen, sodass weder eine starke räumliche Kante hinter der hochgewachsenen Baumallee ausbildet wird, noch die Besucher:innen eingeladen sind in das Freizeitzentrum einzutreten.
Um dem gestiegenen Platzbedarf gerecht zu werden, wird der bestehende Fussabdruck bis auf die Firstkante angehoben und damit eine neue kommunikative Strassenfassade geschaffen. Der Neubau stülpt sich über die gesamte, bestehende Struktur und wird gänzlich von einer leichten Fassadenhülle geschützt, welche den thermischen Bedürfnissen genügt, als auch einen neuen ästhetischen Anspruch verfolgt.



Grundriss UG
Grundriss EG
Grundriss OG
Im Sommer wird die Zuluft im Gebäude über einen Erdkanal auf ca. 18°C vortemperiert. Über vertikale Lüftungskanäle verteilt sich die kühle Frischluft aus dem Untergeschoss in alle Nutzbereiche. Dort erwärmt sie sich, steigt auf und wird über die beiden Lüftungstürme aus dem Gebäude gesogen. Diese Kaminwirkung erzeugt eine natürliche Ventilation im Gebäude.
Alle Räume lassen sich dazu effektiv über die Fassade belüften und querlüften. Nachts wird so die kältere Aussenluft für die Kühlung der trägen Lehmwände und Böden genutzt, welche diese wiederum tagsüber an den Innenraum abgeben. Der Überhitzung über die Fassaden beugt ein aussenliegender Sonnenschutz vor.


Querschnitt

Das Tragwerk des erneuerten Freizeitzentrums Landauer in Basel soll zweckmässig, wirtschaftlich, nachhaltig, die räumliche und architektonische Idee mitprägen und dort wo möglich und sinnvoll den Bestand ins neue Tragwerk mitintegrieren.
Die Gebäudestabilisierung erfolgt über die Ausbildung der Geschossdecke und des Dachs als Scheibe, die eine horizontale Lastverteilung ermöglicht. In Gebäudelängsrichtung können dadurch die Horizontalkräfte über die vier in den Ecken angeordneten Aussteifungskreuze bis in den Lastverteilriegel geleitet werden. In Gebäudequerrichtung wandern die Horizontallasten über die bestehenden Dreigelenkbindern bis in die Widerlager und den damit verbundenen Lastverteilriegeln.

Um Ressourcen und Emissionen einzusparen, wird möglichst viel bestehende Bausubstanz erhalten. Gleichzeitig sind die Elemente zu ersetzen, welche aktuell eine zeitgemässe Nutzung des Freizeitzentrums verbauen:
Die bestehende Dachschräge erzeugt vor allem im Innenraum geometrische Probleme. Viele Räume sind daher nur bedingt nutz- und möblierbar. Daher wird das Dach komplett rückgebaut und die Obergeschosse entsprechend erweitert.
Die niedrigen Geschossdecken und zur Tragstruktur orthogonalen, nicht tragenden Innenwände erschweren im Bestand die flexible Raumaufteilung, weshalb diese soweit nötig rückgebaut werden. Somit wird die ursprüngliche Schotten-Struktur entkernt, wobei das Untergeschoss, das Tragwerk sowie die Seitenfassaden in der Gänze bestehen bleiben können.
Über die Fassade wird die innere Struktur auch im Strassenraum ablesbar. Das längliche Volumen wird in einzelne gut proportionierte Segmente unterteilt, welche die Nebenräume und Nutzungen widerspiegeln.
Die Nebenräume sind mit einer dünnen Polycarbonatschicht verkleidet, wodurch thermische Pufferzonen entstehen und gleichzeitig alle Räume natürlich belichtet werden. Dazwischen liegen die grossen Nutzbereiche: Café, Werken, Spiel und Sport, Arbeiten und Versammlung, farblich voneinander ablesbar.
Über die transparenten Fassaden und Wintergärten verschmelzen Innen- und Aussenraum sowohl Tagsüber als auch nachts miteinander. Die Räume lassen sich über bewegliche Faltelemente grosszügig nach Aussen öffnen und verbinden.
Bauherrschaft:
Gemeinde Riehen
Bauingenieure:
Conzett Bronzini Partner AG
Landschaftsplanung:
OK Landschaft
Clima Engineering:
Transsolar
Baugesamtfläche:
2.200 m2
Bilder:
CURA
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